Und ich war wiedermal im Cinema. Und zwar habe ich mir den neuen Quentin Tarantino Streifen „Inglourious Basterds“ zu Gemüte geführt. Eins vorne weg, den letzen Tarantino Film den ich gesehen habe war Jackie Brown. Der erste „Pulp Fiction“. Beides meiner Meinung nach Meisterwerke. Obwohl Pulp Fiction in seiner Brutalität manchmal zu weit geht. Jackie Brown dagegen herrlicher Kontrast und zeigt dass es auch anders geht. Die anderen Tarantino Filme haben mich dann thematisch nicht mehr grossartig interessiert und ausserdem hatte ich die Schnauze voll von Blut und Gemetzel.

Nun kann man sich also fragen, warum ich dann überhaupt den neuen Tarantino schauen gegangen bin. Erstens wegen Brad Pitt. Ja ich gebe es zu, ich finde ich einen der besten Schauspieler zur Zeit. Zweitens wegen der Thematik. Nicht weil ich Nazis super finde, aber wie Tarantino die Thematik herrlich umwurstelt und quasi die Geschichte ändert finde ich cool. Denn ich mag diese scheinheiligen Reportagen, Filme und Dokumentationen einfach nicht mehr sehen. Da tut so etwas mal gut. Das heisst nicht dass ich es lustig finde was passiert ist und ich es auch nicht gut heisse. Aber es ist passiert und man sollte auch mal nach vorne schauen und nicht immer mit dem Finger auf die Wunde zeigen. Und Drittens wegen Christoph Waltz als Leutnant Hans Lada. Wie man so hörte absolviert er in diesem Film eine Meisterleistung.
Nun gut, ich setzte mich also ins Kino und wartete gespannt und erwartungsvoll auf den Filmbeginn. Was dann folgte, war sehr gutes Kino. Bereits die Eröffnungsszene ist ein filmisches und schauspielerisches Meisterwerk. (Eine Hommage an die Spaghetti Western) Herrliche Bilder und Kameraeinstellungen. Tarantino weiss wie man Filme optisch aufbereitet. Sehr gut. Und Christoph Waltz ist einfach nur hervorragend. Dieser Dialog in der Eröffnungssequenz mit dem Milchbauer. Der Sprachwechsel, dieses Schauspiel, diese Mimik und dieser völlig kalte Charakter. Sensationell. Gespannt wartet man zirka 20 Minuten auf den Höhepunkt. Man weiss es wird was passieren, man fühlt förmlich wie sich die Stimmung nach oben schaukelt und das Böse gewinnen wird. Eiskalt. Schön zum anschauen das Kammerspiel. Ganz grosses Kino ohne Action. Einfach nur mit Gesten, Mimik und der Sprache. Und natürlich den Kameraeinstellungen des Regisseurs.
Es geht nun weiter mit insgesamt 5 Akten. Es folgt nun eine Einführung der „Inglourious Basterds“ Eine Truppe aus Juden und einem Amerikaner. Aldo gespielt von Brad Bitt. Auch hier wieder mal meine Bitte an euch; Schaut die Filme im Original. Gerade dieser Film kann einfach nicht synchronisiert werden. Wie Brad Pitt redet, einfach herrlich. Schaut es euch an. Nun gut, also die „Inglourious Basterds“. Eigentlich ein Haufen Nazimörder. Sie bringen im von Nazis besetzten Frankreich massenweise Nazi Soldaten um, bzw. skalpieren diese. Und hier kommt mein Einwand an diesem Film (er wird eigentlich der einzige Einwand sein). Warum muss von Tarantino immer alles so gewalttätig bis ins letzte Detail gezeigt werden? Der Film wäre auch super ohne diese Enthauptungen wo man noch das Hirn sieht, oder ob man nun sieht wie einer 6 Mal mit dem Baseballschläger auf den Kopf eingeprügelt wird. Das ist meiner Meinung nach unnütz. Denn in diesem Film obsiegt klar das Schauspiel und die Dialoge. Aber so ist es nun mal und dass Tarantino ein Wahnsinniger ist wissen wir ja alle. Genie und Wahnsinn liegen nahe beieinander. Zu Gute halten muss man Quentin, dass die Brutalität nicht ein Grossteil dieses Filmes ausmachen. Es sind ein paar Sequenzen die etwas zu viel des Guten sind, aber nicht der ganze Film.
Zu guter letzt sieht man noch die Frau „Shoshanna“, welche die einzige Überlebende ist und flüchten konnte bei der furiosen Eröffnungssequenz. Sie besitzt nun ein Kino in Paris in welches Sie deutsche Filme zeigt (Da die Deutschen ja Frankreich belagern muss sie das zwangsläufig) Die Geschichte will es nun so, dass Shoshanna die Gelegenheit bekommt, grosse Nazi Angehörige umzubringen. Wie sie das macht sei hier nicht verraten. Nur soviel, auch die Inglourious Basterds erhalten den Auftrag in diesem Kino zu morden. Doch es kommt ja immer anders als man eigentlich will.
Wie bereits angesprochen hat der Film einige Szenen die nichts für schwache Gemüter sind. Es ist keine leichte Kost auch wenn es nicht eine wahre Geschichte ist im eigentlichen Sinn. Dennoch kann nicht weg diskutieren, dass es Nazis gab und diese Zeit sehr brutal war. Ob man das zeigen muss ist eine andere Sache. Dennoch überwiegt für mich das Positive. Und das sind ganz klar die Dialoge und die schauspielerische Leistung von fast Allen. Quentin ist ein Genie in Sachen filmische Umsetzung. Seine Bilder, Szenen und Einstellungen sind kleine Meisterwerke. Es wird nicht langweilig trotz 150 Minuten Filmlänge. Denn die Kamerawinkel und die sensationelle Meisterleistung von Christoph Waltz machen den Film spannend und subtil. Es sind die ruhigen Momenten die diesen Film wirklich sehenswert machen. Nach Christoph Waltz ist Brad Pitt hier ebenfalls sehr gut. Auch seine Kumpanen sind lustig können aber im Prinzip ausgetauscht werden. Bewanderte Serien- oder Filmfans erkennen im Film einige „Stars“ des deutschen TV’s. Diane Kruger als Schauspielerin im Film hätte man sich sparen können. Ihre Leistung ist nicht berauschend. Neben Christoph Waltz muss man auch noch Shoshanna alias Melanie Laurent erwähnen. Ihre Gefühle sind echt und man nimmt ihr den Hass und die Trauer ab. Man leidet mit. Sehr gut. Ich kann den Film wirklich empfehlen. Aber nur im Original. Der Trailer hat bei mir übrigens ein völlig falsches Bild vom Film wiedergegeben. Im Trailer ist reine Action und Schiessereien etc. Im eigentlichen Film sind diese sehr rar gesäht, da die Dialoge überhand haben. Wer also erwartet in diesem Film reine Action zu sehen, wird sicherlich enttäuscht sein. Eigentlich ist es ein „leiser“ Film.
Ich gebe dem Film 4 von 5 Sternen.
Wertung ****
*=schlecht/*****=grossartig

So nun werden wir mal etwas politisch.


midoba 18:50 am 1. Oktober 2009 Permalink
Ja dachte auch als Erstes dass der Waltz einen Oscar dafür erhalten sollte. Ist wirklich grandios.
spanksen 08:38 am 23. September 2009 Permalink
Auch ich finde den Film grandios! Oscar für Waltz!
mike 20:38 am 22. September 2009 Permalink
hi mike,
Ich gab ihm übrigens 7 Sterne
))
schön dass du diesen Film gesehen hast und vorallem dass du ihn auch so gut fandest. Ich hab Deine Kritik nicht fertig gelesen, denn ich kann dir die Worte aus dem Mund lesen
Gruss Mike